Schifffahrt auf der Mur in Graz: Pläne, Geschichte und heutige Angebote

Die Mur fließt mitten durch Graz und prägt das Stadtbild stärker als beinahe jedes andere natürliche Element. Trotzdem wurde der Fluss lange vor allem als Grenze zwischen den beiden Stadthälften wahrgenommen. Während Städte wie Wien, Budapest oder Prag ihre Flüsse intensiv für Ausflugsfahrten und touristische Angebote nutzen, spielte die Schifffahrt in Graz über Jahrzehnte kaum eine Rolle.

Das sollte sich mit dem Bau des Murkraftwerks in Puntigam und der Neugestaltung der Uferbereiche ändern. 2018 wurden Pläne für eine elektrische Personenschifffahrt mit mehreren Anlegestellen vorgestellt. Eine reguläre Schifflinie entstand daraus bislang nicht. Vollständig verschwunden ist die Idee, die Mur vom Wasser aus zu erleben, jedoch keineswegs.

Heute gibt es in Graz Floßfahrten, einen Bootsverleih, Kajak- und SUP-Angebote sowie mehrere Bereiche, die für Wassersport genutzt werden können. Die ursprüngliche Vision einer öffentlichen Schifflinie hat sich damit zumindest teilweise in ein Freizeitangebot auf der Mur verwandelt.

Gibt es eine Schifflinie auf der Mur in Graz?

Nach dem im Jahr 2026 offiziell ausgewiesenen Freizeitangebot gibt es in Graz keine reguläre öffentliche Schifflinie mit festem Fahrplan und mehreren Haltestellen. Die Mur wird also nicht wie die Donau in Wien oder der Main in Frankfurt von einem klassischen Ausflugsschiff oder Wasserbus befahren.

Stattdessen stehen derzeit andere Formen der Nutzung im Vordergrund:

  • öffentliche und private Floßfahrten
  • Bootsverleih am Stadtstrand
  • Kajak- und Kanufahren
  • Stand-up-Paddling
  • Rudersport
  • Wassersportkurse
  • Veranstaltungen wie die Graz Riverdays

Die Mur ist damit inzwischen deutlich besser zugänglich als noch vor einigen Jahren. Aus dem ursprünglich geplanten öffentlichen Verkehrsmittel wurde allerdings vorerst ein Freizeit- und Erlebnisangebot. Die offiziellen Informationsseiten der Stadt Graz und von Graz Tourismus führen aktuell Floßfahrten, Bootsverleih, Rudern, SUP, Kajak und Kanufahren an, jedoch keine fahrplanmäßige E-Personenschifffahrt.

Die ursprünglichen Pläne für eine Grazer Schifflinie

Im Jahr 2018 stellte die Stadt Graz ein umfangreiches Konzept zur Weiterentwicklung des „Lebensraums Mur“ vor. Ein besonders auffälliger Bestandteil war die geplante Rückkehr der Personenschifffahrt.

Das damalige Konzept sah zunächst ein elektrisch betriebenes Passagierschiff vor. Nach einer Beobachtungs- und Testphase hätte ein zweites Schiff angeschafft werden können. Die vorgesehene Strecke sollte vom Bereich des Kunsthauses im Norden bis zur Pichlergasse nahe dem Murkraftwerk Puntigam im Süden führen.

Geplant waren insgesamt sechs Anlegestellen beziehungsweise dafür vorbereitete Bereiche. Dazu gehörten unter anderem Standorte beim Augarten, im Bereich der Seifenfabrik und des Grünangers sowie nahe dem Kraftwerk. Zusätzlich war ein Hafen- beziehungsweise Werftbereich vorgesehen, in dem das Schiff gewartet und außerhalb der Saison untergebracht werden sollte.

Damit wäre eine mehrere Kilometer lange Verbindung durch das Grazer Stadtgebiet entstanden. Das Schiff hätte nicht nur touristische Rundfahrten ermöglichen, sondern möglicherweise auch einzelne Stadtbereiche miteinander verbinden können.

Warum wurde die E-Personenschifffahrt nicht umgesetzt?

Bereits während der Planungsphase zeigte sich, dass das Projekt weniger weit entwickelt war, als die öffentliche Präsentation vermuten ließ.

Der Grazer Stadtrechnungshof stellte fest, dass sich die E-Personenschifffahrt zum Zeitpunkt der Projektgenehmigung noch in einer nicht beschlussfähigen Konzeptphase befand. Viele technische, rechtliche und finanzielle Fragen waren noch offen. Für den tatsächlichen Betrieb wären unter anderem zusätzliche Genehmigungen nach dem Schifffahrtsrecht sowie Regelungen für Besatzung und Schiffsführung notwendig gewesen.

Der gesamte Kostenrahmen wurde damals mit rund 2,98 Millionen Euro netto angegeben. Darin sollten die Anlegestellen, notwendige Infrastruktur wie ein Bootshaus und der Ankauf eines elektrisch betriebenen Schiffes enthalten sein. Die zunächst genehmigten 680.000 Euro betrafen allerdings nur die bauliche Vorbereitung der geplanten Anlegestellen.

Auch die Holding Graz erklärte im Rahmen der Prüfung, dass eine Schifffahrt auf der Mur damals nicht die höchste Priorität hatte. Die während der Bauarbeiten errichteten Stege und Sonnendecks sollten aber so gestaltet werden, dass eine spätere Verwendung als Anlegestellen grundsätzlich möglich bleibt.

Die Idee wurde somit nicht vollständig ausgeschlossen. Aus einem konkreten Verkehrsprojekt wurde jedoch zunächst eine langfristige Option ohne verbindlichen Starttermin.

Die Mur als historische Verkehrsroute

Eine Schifffahrt auf der Mur wäre keine vollkommen neue Erfindung. Der Fluss war über Jahrhunderte eine bedeutende Verkehrs- und Handelsroute.

Bereits im Mittelalter wurden Waren mit Flößen, Plätten und flachen Schiffen transportiert. Zu den beförderten Gütern gehörten unter anderem Eisenwaren, Salz, Gips, Schmalz, Kohle, Wein, Getreide sowie Brenn- und Bauholz. Flussaufwärts mussten die Schiffe teilweise von Pferden gezogen werden. Die dafür genutzten Wege entlang des Ufers wurden als Treppelwege bezeichnet.

Mit dem Ausbau der Eisenbahn und der Verbesserung des Straßennetzes verlor die Mur als Transportweg zunehmend an Bedeutung. Ende des 19. Jahrhunderts wurde dennoch versucht, einen Passagierverkehr in Graz aufzubauen.

Die Passagierdampfer „Graz“ und „Styria“

Am 8. September 1888 nahm in Graz eine Personenschifffahrt mit den beiden Dampfschiffen „Graz“ und „Styria“ den Betrieb auf. Der nördliche Wendepunkt befand sich im Bereich des Mariahilferplatzes.

Das Unternehmen endete bereits im folgenden Frühjahr. Am 8. Mai 1889 kollidierte die „Graz“ mit der Radetzkybrücke. Vier Tage später verunglückte auch die „Styria“ an dieser Stelle. Dabei kamen sechs Menschen ums Leben. Nach diesen beiden Unglücken wurde der damalige Passagierbetrieb auf der Mur beendet.

Die kurze Episode zeigt, wie schwierig die Schifffahrt auf einem Fluss mit starker Strömung, schwankendem Wasserstand, Brückenpfeilern und weiteren Hindernissen sein konnte.

Was hat das Murkraftwerk verändert?

Durch das Murkraftwerk Graz-Puntigam entstand südlich des Stadtzentrums ein Staubereich. Der höhere und abschnittsweise ruhigere Wasserstand schuf neue Voraussetzungen für Freizeitaktivitäten auf der Mur.

Im Zusammenhang mit dem Kraftwerk wurden zahlreiche Uferbereiche umgestaltet. Dazu gehören die Augartenbucht, der Stadtstrand, Sonnendecks, Stege und weitere Zugänge zum Wasser. Die Holding Graz bezeichnet diese Maßnahmen als Teil des Projekts „Lebensraum Mur“. Insgesamt wurden 17 Projekte zur stärkeren Nutzung der Mur und ihrer Ufer umgesetzt beziehungsweise entwickelt.

Der Fluss ist dadurch nicht zu einem durchgehend ruhigen Stadtsee geworden. Strömung, Wasserstand, Wind, Kraftwerksbetrieb und lokale Gefahrenstellen müssen weiterhin berücksichtigt werden. Trotzdem sind heute Nutzungen möglich, die früher nur schwer oder gar nicht realisierbar waren.

Floßfahrten auf der Mur

Die aktuell wohl komfortabelste Möglichkeit, die Mur ohne eigenes Boot zu erleben, ist eine Floßfahrt ab dem Stadtstrand beim Puchsteg.

Das barrierefreie Floß fährt vom Stadtstrand in Richtung Norden und anschließend wieder zurück. Eine öffentliche Fahrt dauert ungefähr 80 Minuten. Das Floß kann außerdem vollständig für Geburtstage, Firmenveranstaltungen, Vereinsausflüge und andere private Anlässe gebucht werden. Es bietet Platz für bis zu 50 Personen.

Im Gegensatz zu einem klassischen Ausflugsschiff handelt es sich um ein langsames und bewusst einfach gehaltenes Erlebnis. Flussaufwärts unterstützt ein Elektromotor die Fahrt, während sich das Floß flussabwärts teilweise von der Strömung tragen lässt.

Die Fahrt zeigt Graz aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Statt durch Straßen oder entlang der Uferwege bewegt man sich direkt auf jener Achse, die die Stadt jahrhundertelang geprägt hat.

Bootsverleih am Stadtstrand

Die Floßlände am Stadtstrand dient zugleich als Ausgangspunkt für den Bootsverleih. Angeboten werden je nach Saison unterschiedliche Wasserfahrzeuge und Sportgeräte.

Dazu können gehören:

  • Kajaks
  • Stand-up-Paddle-Boards
  • Ruderboote
  • Waterbikes
  • kleinere elektrisch angetriebene Boote
  • sogenannte Murgondeln

Die konkrete Auswahl, Betriebszeiten und Preise können sich saisonal verändern. Der Bootsverleih ist üblicherweise vom Frühling bis zum frühen Herbst geöffnet. Bei Hochwasser, ungeeigneter Witterung oder anderen gefährlichen Bedingungen bleibt der Betrieb geschlossen.

Für Besucher ohne Erfahrung sind geführte Kurse oder eine Einschulung sinnvoller als eine selbstständige Fahrt.

Weitere Möglichkeiten für Wassersport in Graz

Neben dem Stadtstrand gibt es weitere Ausgangspunkte für Aktivitäten auf und an der Mur.

Augartenbucht

Die Augartenbucht schafft einen direkten Zugang zum Wasser und kann als Einstieg mit einem eigenen geeigneten Wassersportgerät genutzt werden. Der Bereich ist zentral gelegen und verbindet den Augarten stärker mit der Mur.

Kanu Club Graz

Das Stadtbootshaus des Kanu Clubs liegt am Marburger Kai zwischen Tegetthoffbrücke und Radetzkybrücke. Dort befinden sich unter anderem Anlege- und Trainingsmöglichkeiten für Kajaks und Drachenboote.

SUP Sportclub Graz

In der Angergasse werden Stand-up-Paddling, Trainings und teilweise Leihmöglichkeiten angeboten.

Ruderclub Graz

Im südlichen Stadtgebiet bietet der Ruderclub Graz Möglichkeiten für Anfänger, Freizeitsportler und den leistungsorientierten Rudersport.

Graz Tourismus führt diese Standorte gemeinsam mit dem Stadtstrand, der Augartenbucht und weiteren Wassersportbereichen als zentrale Angebote entlang der Mur an.

Sicherheit auf der Mur

Die Mur bleibt ein Fluss und darf nicht mit einem kontrollierten Badesee verwechselt werden. Wasserstand, Fließgeschwindigkeit und Wind können sich verändern. Zusätzlich bestehen Einschränkungen im Nahbereich des Kraftwerks.

Die Wasserfläche unmittelbar beim Kraftwerk Graz-Puntigam ist dauerhaft gesperrt. Für weitere Abschnitte gilt ein Warnsystem mit roten Lampen. Werden die Warnlampen aktiviert, muss der erweiterte Wassersportbereich unverzüglich verlassen werden. In die automatische Gefahrenbeurteilung fließen unter anderem Wasserstand, Oberflächengeschwindigkeit und Wind ein.

Vor einer Fahrt sind daher folgende Punkte zu beachten:

  • ausschließlich ausgewiesene Ein- und Ausstiegsstellen verwenden
  • aktuelle Warnsignale kontrollieren
  • gesperrte Kraftwerksbereiche meiden
  • Schwimmweste tragen
  • Wetter und Wasserstand prüfen
  • bei fehlender Erfahrung einen Kurs oder eine geführte Fahrt nutzen
  • Anweisungen der Betreiber und Einsatzkräfte befolgen

Die Nutzung erfolgt grundsätzlich auf eigene Gefahr. Die Stadt Graz rät unerfahrenen Wassersportlern ausdrücklich davon ab, den erweiterten Wassersportbereich ohne entsprechende Kenntnisse zu nutzen.

Könnte eine reguläre Schifflinie heute funktionieren?

Technisch erscheint eine begrenzte Personenschifffahrt im Staubereich grundsätzlich möglich. Stege, ruhigere Wasserabschnitte und bestehende Freizeitangebote zeigen, dass Boote auf bestimmten Teilen der Mur betrieben werden können.

Als öffentliches Verkehrsmittel wäre eine solche Linie allerdings nur eingeschränkt geeignet. Die Mur verläuft zwar zentral durch Graz, viele wichtige Wohn-, Arbeits- und Einkaufsgebiete liegen jedoch nicht unmittelbar an möglichen Anlegestellen. Hinzu kommen lange Ein- und Ausstiegszeiten, Sicherheitsanforderungen, saisonale Einschränkungen und ein gegenüber Straßenbahn oder Bus begrenztes Fahrgastpotenzial.

Realistischer wäre daher ein touristisches Angebot mit Rundfahrten, Themenfahrten oder einzelnen saisonalen Verbindungen. Denkbar wären beispielsweise Fahrten zwischen Stadtstrand, Augarten und Innenstadt, sofern technische, wirtschaftliche und rechtliche Voraussetzungen erfüllt werden.

Eine solche Verbindung müsste nicht zwingend Teil des öffentlichen Verkehrs sein. Sie könnte vielmehr als zusätzliche Grazer Sehenswürdigkeit funktionieren und die Murinsel, das Kunsthaus, den Augarten und die südlichen Erholungsbereiche aus einer neuen Perspektive zeigen.

Die Mur ist heute erlebbarer als früher

Die große elektrische Schifflinie zwischen Kunsthaus und Murkraftwerk wurde bislang nicht verwirklicht. Dennoch hat sich der Umgang der Stadt mit ihrem Fluss sichtbar verändert.

Die Augartenbucht, der Stadtstrand, die Floßfahrten, der Bootsverleih und die Wassersportangebote bringen die Grazerinnen und Grazer näher an die Mur. Der Fluss ist nicht länger ausschließlich eine Trennlinie oder eine Kulisse, die man von einer Brücke aus betrachtet.

Wer heute ein Schiff auf der Mur erwartet, findet zwar keinen Wasserbus mit festem Fahrplan. Mit einer Floßfahrt, einem Kajak, einem SUP oder einem gemieteten Boot lässt sich Graz trotzdem vom Wasser aus entdecken.

Häufige Fragen zur Schifffahrt auf der Mur

Fährt in Graz ein Passagierschiff auf der Mur?

Eine reguläre Personenschifffahrt mit festem Fahrplan und mehreren Haltestellen wird nach dem aktuell offiziell ausgewiesenen Angebot nicht betrieben. Es gibt jedoch öffentliche Floßfahrten und verschiedene Boots- und Wassersportangebote.

Wo starten die Floßfahrten in Graz?

Die Floßfahrten starten an der Floßlände beim Stadtstrand in der Nähe des Puchstegs im Süden von Graz.

Wie lange dauert eine Floßfahrt?

Eine öffentliche Floßfahrt dauert ungefähr 80 Minuten. Die genaue Route und Dauer können von Wasserstand, Wetter und betrieblichen Bedingungen abhängen.

Kann man in Graz ein Boot mieten?

Am Stadtstrand gibt es saisonal einen Bootsverleih. Je nach Verfügbarkeit werden unterschiedliche Boote und Wassersportgeräte angeboten.

Ist die Mur für Anfänger geeignet?

Einzelne geschützte oder betreute Angebote sind auch für Anfänger geeignet. Eine selbstständige Fahrt in den erweiterten Wassersportbereichen ist ohne Erfahrung nicht zu empfehlen.

Was ist aus der geplanten E-Schifflinie geworden?

Die 2018 vorgestellte E-Personenschifffahrt blieb in der Konzeptphase. Bauliche Vorkehrungen sollten eine spätere Umsetzung ermöglichen, ein regulärer Betrieb wurde bisher jedoch nicht eingerichtet.

Fazit

Die Schifffahrt auf der Mur besitzt in Graz eine lange, teilweise dramatische Geschichte. Nach der mittelalterlichen Nutzung als Handelsroute und dem kurzen Passagierbetrieb des 19. Jahrhunderts sollte die Mur ab 2018 erneut für eine elektrische Personenschifffahrt erschlossen werden.

Aus der geplanten Schifflinie wurde bislang kein fahrplanmäßiger Betrieb. Gleichzeitig entstanden mit dem Stadtstrand, der Augartenbucht, Floßfahrten, Bootsverleih und Wassersportangeboten neue Möglichkeiten, den Fluss aktiv zu erleben.

Die Mur ist damit noch keine klassische touristische Wasserstraße. Sie entwickelt sich aber zunehmend zu einem Freizeit-, Sport- und Erholungsraum mitten in Graz.

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