Vitamin D ist wichtig für den Knochenstoffwechsel, die Muskelfunktion und verschiedene Prozesse des Immunsystems. Anders als die meisten Vitamine kann der menschliche Körper Vitamin D mithilfe von Sonnenlicht selbst bilden.
Daraus folgt jedoch weder, dass alle Menschen automatisch ausreichend versorgt sind, noch dass möglichst hohe Vitamin-D-Werte besonders gesund wären. Auch die verbreitete Darstellung als Schutzmittel gegen Krebs, Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Übergewicht wird von klinischen Studien nicht in dieser Allgemeinheit bestätigt.
Entscheidend ist eine angemessene Versorgung. Ein tatsächlicher Mangel sollte behandelt werden. Eine unkontrollierte Einnahme hoher Dosen ist dagegen weder notwendig noch risikofrei.
Das Wichtigste in Kürze
- Vitamin D unterstützt die Aufnahme von Kalzium und Phosphat sowie die Mineralisierung der Knochen.
- Der Körper kann Vitamin D unter Einwirkung von UV-B-Strahlung in der Haut bilden.
- Der Schätzwert von 20 Mikrogramm beziehungsweise 800 Internationalen Einheiten pro Tag gilt bei fehlender körpereigener Bildung.
- Wenige Lebensmittel enthalten von Natur aus größere Mengen Vitamin D.
- Ein Vitamin-D-Mangel lässt sich zuverlässig über die Konzentration von 25-Hydroxyvitamin D im Blut beurteilen.
- Nicht jeder gesunde Erwachsene benötigt routinemäßig einen Vitamin-D-Test.
- Risikogruppen können von einer gezielten Untersuchung oder Supplementierung profitieren.
- Vitamin D kann über Nahrungsergänzungsmittel überdosiert werden.
- Hohe Einzel- und Bolusdosen sollten nicht ohne ärztliche Anweisung eingenommen werden.
- Vitamin-D-Präparate sind kein nachgewiesenes allgemeines Mittel zur Vorbeugung von Krebs oder Depressionen.
Was ist Vitamin D?
Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin und zugleich eine Vorstufe hormonähnlich wirkender Substanzen. Es wird auch als Calciferol bezeichnet.
Nach der Aufnahme oder Bildung in der Haut wird Vitamin D zunächst in der Leber zu 25-Hydroxyvitamin D umgewandelt. Diese Verbindung wird meistens als 25(OH)D oder Calcidiol bezeichnet. Anschließend entsteht vor allem in den Nieren die biologisch aktive Form Calcitriol.
Vitamin D fördert die Aufnahme von Kalzium im Darm und trägt dazu bei, ausreichende Kalzium- und Phosphatkonzentrationen für die normale Mineralisierung der Knochen aufrechtzuerhalten. Es ist außerdem an der Muskelfunktion, der Immunregulation und weiteren Stoffwechselprozessen beteiligt.
Vitamin D ist kein klassisches Allheilmittel
Vitamin-D-Rezeptoren kommen in zahlreichen Geweben vor. Das hat zu einer großen Zahl wissenschaftlicher Untersuchungen und teilweise weitreichenden Gesundheitsversprechen geführt.
Dabei muss zwischen drei unterschiedlichen Aussagen unterschieden werden:
- Vitamin D ist an einem biologischen Prozess beteiligt.
- Niedrige Vitamin-D-Werte treten statistisch häufiger bei einer Erkrankung auf.
- Die Einnahme von Vitamin D verhindert oder behandelt diese Erkrankung.
Aus den ersten beiden Punkten folgt nicht automatisch der dritte.
Menschen mit chronischen Erkrankungen verbringen beispielsweise teilweise weniger Zeit im Freien, bewegen sich weniger oder ernähren sich anders. Ein niedriger Vitamin-D-Wert kann daher Begleiterscheinung und nicht Ursache einer Erkrankung sein.
Randomisierte klinische Studien sind für die Beurteilung einer vorbeugenden oder therapeutischen Wirkung aussagekräftiger als reine Beobachtungsstudien. Für viele häufig beworbene Wirkungen außerhalb der Knochengesundheit konnten diese Studien keinen eindeutigen allgemeinen Nutzen einer Supplementierung zeigen.
Vitamin D2 und Vitamin D3
Bei Nahrung und Präparaten sind hauptsächlich zwei Formen relevant:
- Vitamin D2: Ergocalciferol
- Vitamin D3: Cholecalciferol
Vitamin D2 kommt vor allem aus Pilzen, Hefen und entsprechend hergestellten Produkten. Vitamin D3 stammt natürlicherweise überwiegend aus tierischen Quellen und wird auch in der menschlichen Haut gebildet.
Beide Formen können den 25(OH)D-Wert erhöhen. Vitamin D3 erhöht den Blutwert im Durchschnitt stärker und hält ihn häufig länger aufrecht als die gleiche Menge Vitamin D2. Mittlerweile gibt es auch veganes Vitamin D3, das beispielsweise aus Flechten gewonnen wird.
Wie bildet der Körper Vitamin D?
Der größte Teil der Versorgung kann durch die körpereigene Bildung in der Haut erfolgen. Trifft UV-B-Strahlung auf unbedeckte Haut, wird dort eine Vorstufe in Vitamin D3 umgewandelt.
Wie viel Vitamin D tatsächlich gebildet wird, hängt von zahlreichen Faktoren ab:
- Jahreszeit,
- Breitengrad,
- Tageszeit,
- Bewölkung,
- Luftverhältnissen,
- Hautpigmentierung,
- Alter,
- bedeckter Hautfläche,
- Aufenthaltsdauer im Freien,
- Sonnenschutz,
- individuellen körperlichen Voraussetzungen.
Sonnenlicht hinter einer geschlossenen Fensterscheibe reicht für die Vitamin-D-Bildung nicht aus, weil das benötigte UV-B-Licht das Glas weitgehend nicht durchdringt.
Wie viel Sonne wird benötigt?
Eine für alle Menschen gültige Minutenzahl lässt sich nicht seriös festlegen. Hauttyp, Jahreszeit, Wetter, geografische Lage und Größe der unbedeckten Hautfläche verändern die Vitamin-D-Bildung erheblich.
Das österreichische Gesundheitsportal empfiehlt regelmäßigen Aufenthalt im Freien. Idealerweise kann dabei ein Teil von Gesicht, Händen, Armen oder Beinen dem Tageslicht ausgesetzt sein. Die individuelle Eigenschutzzeit der Haut darf jedoch nicht überschritten werden.
Vitamin D ist kein Grund, einen Sonnenbrand zu riskieren. UV-Strahlung ist ein wesentlicher Risikofaktor für Hautkrebs. Sonnenschutzmaßnahmen bleiben daher notwendig.
Sonnenschutzmittel können die Vitamin-D-Produktion theoretisch reduzieren. In der Praxis werden sie jedoch häufig nicht flächendeckend, nicht dick genug oder nicht regelmäßig genug aufgetragen, um die Bildung vollständig zu verhindern. Die gezielte Vermeidung von Sonnenschutz zugunsten eines höheren Vitamin-D-Werts ist deshalb nicht sinnvoll.
Warum ist die Versorgung im Winter schwieriger?
In Österreich und vergleichbaren Breitengraden erreicht im Winter weniger wirksame UV-B-Strahlung die Haut. Hinzu kommen kurze Tage, mehr Kleidung und eine geringere Aufenthaltsdauer im Freien.
Der Körper kann Vitamin D im Fett- und Muskelgewebe speichern. Im Sommer gebildete Reserven können deshalb einen Teil der Wintermonate überbrücken. Wie lange diese Vorräte reichen, unterscheidet sich jedoch individuell.
Aus der geringeren Wintersonne folgt nicht automatisch, dass jeder Mensch im Winter hoch dosierte Präparate benötigt. Maßgeblich sind Risikofaktoren, Lebensweise, Ernährung, bestehende Erkrankungen und gegebenenfalls der Blutwert.
Wie hoch ist der Vitamin-D-Bedarf?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und die Österreichische Gesellschaft für Ernährung geben für Kinder ab einem Jahr, Jugendliche, Erwachsene, Schwangere und Stillende einen Schätzwert von 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag an.
Dieser Wert gilt ausdrücklich unter der Annahme, dass der Körper kein eigenes Vitamin D über die Haut bildet. Bei ausreichender körpereigener Bildung muss die gesamte Menge nicht zusätzlich über Nahrung oder Präparate aufgenommen werden.
Umrechnung von Mikrogramm und Internationalen Einheiten
| Vitamin D | Internationale Einheiten |
|---|---|
| 1 µg | 40 IE |
| 5 µg | 200 IE |
| 10 µg | 400 IE |
| 20 µg | 800 IE |
| 25 µg | 1.000 IE |
| 50 µg | 2.000 IE |
| 100 µg | 4.000 IE |
Die Abkürzung IE steht für Internationale Einheiten. Auf englischsprachigen Produkten wird häufig IU verwendet.
Ist der Schätzwert gleichzeitig eine Behandlungsempfehlung?
Nein.
Der Referenz- beziehungsweise Schätzwert beschreibt eine angemessene tägliche Zufuhr bei fehlender Eigenproduktion. Er ist nicht automatisch die richtige Behandlungsdosis bei einem nachgewiesenen Mangel.
Die Therapie eines Mangels kann zeitweise andere Dosierungen erfordern. Diese hängen unter anderem ab von:
- Höhe des Ausgangswerts,
- Körpergewicht,
- Alter,
- Ursache des Mangels,
- Aufnahmefähigkeit des Darms,
- Nieren- und Leberfunktion,
- gleichzeitig eingenommenen Medikamenten,
- Begleiterkrankungen.
Eine ärztlich angeordnete Mangeltherapie darf deshalb nicht mit der dauerhaften Selbstmedikation hoch dosierter Präparate gleichgesetzt werden.
Welche Lebensmittel enthalten Vitamin D?
Nur wenige Lebensmittel liefern von Natur aus nennenswerte Mengen Vitamin D.
Zu den wichtigsten Quellen gehören:
- fettreiche Fische wie Hering, Makrele, Lachs oder Sardinen,
- Lebertran,
- Eigelb,
- bestimmte Speisepilze,
- mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel,
- Margarine oder Streichfette mit Vitamin-D-Zusatz.
Die enthaltene Menge schwankt abhängig von Fischart, Fütterung, Haltung, Verarbeitung und bei Pilzen von der UV-Bestrahlung.
Übliche Lebensmittel liefern bei Jugendlichen und Erwachsenen durchschnittlich nur einen kleinen Teil des Schätzwerts. Ohne körpereigene Bildung ist eine vollständige Versorgung allein über eine gewöhnliche Ernährung daher schwierig.
Sind Pilze eine gute Vitamin-D-Quelle?
Pilze können Vitamin D2 enthalten. Die Menge ist jedoch sehr unterschiedlich.
Wildpilze oder gezielt mit UV-Licht behandelte Kulturpilze können höhere Werte aufweisen. Gewöhnliche Kulturpilze enthalten teilweise nur geringe Mengen.
Eine pauschale Aussage, dass jede Portion Pilze den Vitamin-D-Bedarf wesentlich deckt, ist daher nicht möglich.
Wie wird ein Vitamin-D-Mangel festgestellt?
Der Vitamin-D-Status wird üblicherweise durch die Konzentration von 25-Hydroxyvitamin D, kurz 25(OH)D, im Blut beurteilt.
Nicht geeignet für die routinemäßige Beurteilung der Versorgung ist normalerweise die aktive Form 1,25-Dihydroxyvitamin D. Ihr Wert wird im Körper eng reguliert und kann selbst bei einem Mangel noch normal sein.
Vitamin-D-Werte werden in zwei unterschiedlichen Einheiten angegeben:
- Nanomol pro Liter: nmol/l
- Nanogramm pro Milliliter: ng/ml
Die Umrechnung lautet:
- 1 ng/ml entspricht 2,5 nmol/l.
- 1 nmol/l entspricht 0,4 ng/ml.
Welcher Vitamin-D-Blutwert ist normal?
Die Bewertung von Vitamin-D-Werten ist nicht international vollständig einheitlich. Unterschiedliche Fachgesellschaften und Labore verwenden teilweise verschiedene Grenzbereiche.
Eine häufig verwendete Einteilung lautet:
| 25(OH)D in nmol/l | 25(OH)D in ng/ml | Einordnung |
| unter 30 | unter 12 | Mangelrisiko; erhöhtes Risiko für Rachitis oder Osteomalazie |
| 30 bis unter 50 | 12 bis unter 20 | möglicherweise unzureichend |
| ab 50 | ab 20 | für die meisten gesunden Menschen ausreichend |
| über 125 bis 150 | über 50 bis 60 | langfristig nicht gezielt anzustreben |
Ein Wert von mindestens 50 nmol/l beziehungsweise 20 ng/ml gilt nach der von DGE und US-amerikanischen Fachgremien verwendeten Bewertung für die meisten Menschen als ausreichend für die Knochengesundheit. Unter 30 nmol/l beziehungsweise 12 ng/ml steigt das Risiko eines klinisch relevanten Mangels.
Ein Wert von 30, 40 oder sogar 50 ng/ml ist nicht automatisch für jeden Menschen notwendig. Die Vorstellung, möglichst hohe Vitamin-D-Werte seien grundsätzlich besser, wird von der vorhandenen Evidenz nicht unterstützt.
Benötigt jeder Mensch einen Vitamin-D-Test?
Nein.
Die Endocrine Society empfiehlt bei grundsätzlich gesunden Erwachsenen ohne konkrete medizinische Indikation kein routinemäßiges Screening. Für bestimmte gesundheitliche Vorteile konnte kein universeller Zielwert ermittelt werden, auf den alle gesunden Erwachsenen eingestellt werden sollten.
Eine gezielte Untersuchung kann dennoch sinnvoll sein, wenn:
- typische Risikofaktoren bestehen,
- ein klinischer Mangel vermutet wird,
- Knochenerkrankungen vorliegen,
- wiederholt niedrige Kalziumwerte auftreten,
- die Aufnahme im Darm beeinträchtigt ist,
- eine hoch dosierte Behandlung geplant wird,
- bereits länger Supplemente eingenommen werden,
- Medikamente den Vitamin-D- oder Kalziumstoffwechsel beeinflussen,
- eine ärztliche Verlaufskontrolle erforderlich ist.
Das österreichische Gesundheitsportal empfiehlt, eine Supplementierung ärztlich abzuklären und den Vitamin-D-Status vor einer gezielten Einnahme zu überprüfen. Dies ist insbesondere bei höheren Dosen und Risikogruppen sinnvoll.
Welche Menschen haben ein erhöhtes Mangelrisiko?
Ein höheres Risiko besteht insbesondere bei:
- Säuglingen,
- älteren Menschen,
- pflegebedürftigen oder immobilen Personen,
- Menschen, die sich selten im Freien aufhalten,
- vollständig bedeckender Kleidung,
- dunkler Hautpigmentierung,
- Erkrankungen mit gestörter Fettaufnahme,
- Zöliakie,
- chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen,
- bestimmten Lebererkrankungen,
- starkem Übergewicht,
- Zustand nach Magenbypass,
- bestimmten Nierenerkrankungen,
- langfristiger Einnahme bestimmter Medikamente.
Vitamin D ist fettlöslich. Erkrankungen, die die Aufnahme von Nahrungsfett beeinträchtigen, können deshalb auch die Vitamin-D-Aufnahme vermindern. Bei starkem Übergewicht sind die gemessenen 25(OH)D-Werte häufig niedriger, weil ein größerer Anteil im Fettgewebe gebunden wird.
Welche Symptome verursacht ein Vitamin-D-Mangel?
Ein leichter oder beginnender Mangel verursacht häufig keine eindeutigen Beschwerden. Allgemeine Symptome wie Müdigkeit oder Leistungsschwäche können zahlreiche andere Ursachen haben und beweisen keinen Vitamin-D-Mangel.
Ein ausgeprägter oder länger bestehender Mangel kann zu folgenden Problemen beitragen:
- Muskelschwäche,
- Muskelschmerzen,
- Knochenschmerzen,
- unzureichende Knochenmineralisierung,
- Osteomalazie bei Erwachsenen,
- Rachitis bei Kindern,
- erhöhte Knochenbrüchigkeit,
- Störungen des Kalziumhaushalts.
Bei Kindern kann ein schwerer Mangel zu weichen Knochen und Skelettverformungen führen. Bei Erwachsenen kann eine Osteomalazie mit schwachen, schmerzhaften Knochen entstehen.
Kopfschmerzen, häufige Erkältungen oder depressive Stimmung sind dagegen nicht spezifisch genug, um daraus ohne Blutuntersuchung einen Vitamin-D-Mangel abzuleiten.
Wann sind Vitamin-D-Präparate sinnvoll?
Präparate können sinnvoll sein, wenn die Versorgung durch körpereigene Bildung und Ernährung nicht ausreichend ist.
Dies betrifft insbesondere:
- Säuglinge im Rahmen der Rachitisprophylaxe,
- Menschen mit nachgewiesenem Mangel,
- ältere oder pflegebedürftige Personen mit wenig Aufenthalt im Freien,
- Menschen mit eingeschränkter Vitamin-D-Aufnahme,
- bestimmte ärztlich diagnostizierte Risikogruppen.
Bei gesunden Erwachsenen unter 75 Jahren empfiehlt die Endocrine Society keine routinemäßige Einnahme von Dosen oberhalb der allgemeinen Zufuhrempfehlungen zur Vorbeugung von Krankheiten. Für Erwachsene ab 75 Jahren, Schwangere und bestimmte Menschen mit hohem Prädiabetesrisiko enthält die Leitlinie differenzierte Empfehlungen, ohne daraus eine allgemeine Aufforderung zur unkontrollierten Hochdosistherapie abzuleiten.
Wie sollte Vitamin D eingenommen werden?
Vitamin D ist fettlöslich. Die Aufnahme kann durch eine Mahlzeit mit etwas Fett verbessert werden. Eine extrem fettreiche Mahlzeit ist dafür nicht erforderlich.
Bei bestehender Indikation werden tägliche niedrigere Dosen gegenüber seltenen hohen Bolusdosen zunehmend bevorzugt. Dies reduziert Dosierungsfehler und vermeidet starke kurzfristige Schwankungen. Die Endocrine Society empfiehlt bei Erwachsenen ab 50 Jahren mit Supplementierungsbedarf eher tägliche niedrigere als seltene hohe Dosen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung spricht sich ebenfalls gegen eigenständig eingenommene Hochdosis-Boli aus.
Sind wöchentliche oder monatliche Hochdosen sinnvoll?
Hohe wöchentliche oder monatliche Dosen können in bestimmten medizinischen Behandlungsschemata eingesetzt werden. Sie gehören jedoch unter ärztliche Kontrolle.
Problematisch sind frei verkäufliche Produkte mit sehr hohen Einzeldosen, wenn:
- die Einnahmeabstände verwechselt werden,
- eine Wochendosis versehentlich täglich eingenommen wird,
- verschiedene Präparate kombiniert werden,
- keine medizinische Indikation besteht,
- Kalzium oder weitere fettlösliche Vitamine zusätzlich hoch dosiert werden.
Das BfR empfiehlt im Bedarfsfall eher ein niedriger dosiertes täglich einzunehmendes Produkt. Hohe Bolusdosen sollten nur auf ärztliche Anweisung verwendet werden.
Kann Vitamin D überdosiert werden?
Ja.
Vitamin D kann durch Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel überdosiert werden. Die Aussage, der Körper würde ausschließlich die benötigte Menge aufnehmen oder umwandeln, ist falsch.
Da Vitamin D fettlöslich ist, kann es im Körper gespeichert werden. Zu hohe Mengen erhöhen die Kalziumaufnahme und können eine Hyperkalzämie verursachen.
Mögliche Beschwerden einer Überdosierung sind:
- Übelkeit,
- Erbrechen,
- Appetitverlust,
- starke Müdigkeit,
- Muskelschwäche,
- Verwirrtheit,
- ausgeprägter Durst,
- häufiges Wasserlassen,
- Austrocknung,
- Nierensteine,
- Herzrhythmusstörungen.
In schweren Fällen sind Nierenversagen, Verkalkungen von Organen und Blutgefäßen sowie lebensbedrohliche Komplikationen möglich.
Wo liegt die Höchstmenge?
Die tolerierbare tägliche Gesamtzufuhr für Erwachsene liegt nach europäischer und international gebräuchlicher Risikobewertung bei 100 Mikrogramm beziehungsweise 4.000 IE pro Tag aus allen Quellen.
Dieser Wert ist keine Einnahmeempfehlung. Er bezeichnet eine langfristige Obergrenze, die ohne medizinische Notwendigkeit nicht ausgeschöpft werden sollte.
Das BfR empfiehlt für frei verwendete Nahrungsergänzungsmittel vorsorglich eine deutlich niedrigere Höchstmenge von 20 Mikrogramm beziehungsweise 800 IE pro empfohlener Tagesdosis. Ärztlich verordnete Arzneimittel zur Behandlung eines diagnostizierten Mangels sind davon zu unterscheiden.
Kann Vitamin D durch Sonne überdosiert werden?
Eine Vitamin-D-Vergiftung durch normale Sonnenbestrahlung ist praktisch nicht zu erwarten. Bei längerer UV-Bestrahlung werden Vorstufen in der Haut auch in unwirksame Verbindungen umgewandelt.
Das bedeutet nicht, dass unbegrenztes Sonnenbaden sicher wäre. Lange und intensive UV-Belastung erhöht unabhängig vom Vitamin-D-Stoffwechsel das Risiko für Sonnenbrand, vorzeitige Hautalterung und Hautkrebs.
Schützt Vitamin D vor Krebs?
Vitamin D ist an Zellwachstum, Zelldifferenzierung und weiteren biologischen Prozessen beteiligt. Beobachtungsstudien fanden teilweise Zusammenhänge zwischen niedrigen Vitamin-D-Werten und bestimmten Krebsarten.
Solche Zusammenhänge beweisen jedoch keine vorbeugende Wirkung von Präparaten.
In der großen randomisierten VITAL-Studie mit 25.871 Erwachsenen verringerte die tägliche Einnahme von 2.000 IE Vitamin D3 die Gesamtzahl neu auftretender Krebserkrankungen nicht signifikant. Auch zusammenfassende Bewertungen klinischer Studien zeigen nicht, dass Vitamin-D-Präparate allgemein vor Krebs schützen.
Ein vorhandener Mangel sollte dennoch behandelt werden. Daraus darf aber nicht die Aussage abgeleitet werden, Vitamin D sei ein zuverlässiges Krebspräventionsmittel.
Hilft Vitamin D gegen Depressionen?
Niedrige Vitamin-D-Werte werden in Beobachtungsstudien häufiger bei Menschen mit Depressionen festgestellt. Mögliche Erklärungen sind biologische Zusammenhänge, aber auch weniger Aufenthalt im Freien, geringere Aktivität, Ernährung oder Begleiterkrankungen.
Klinische Studien zeigen bisher nicht zuverlässig, dass Vitamin-D-Präparate Depressionen verhindern oder depressive Beschwerden allgemein behandeln. In der VITAL-Studie führte die tägliche Einnahme von 2.000 IE über mehrere Jahre zu keiner signifikanten Verringerung neuer oder wiederkehrender Depressionen.
Ein diagnostizierter Vitamin-D-Mangel kann parallel zu einer Depression behandelt werden. Vitamin D ersetzt jedoch keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.
Stärkt Vitamin D das Immunsystem?
Vitamin D ist an der Regulation des Immunsystems beteiligt. Eine ausreichende Versorgung gehört deshalb zu einem normal funktionierenden Körper.
Daraus folgt aber nicht, dass hohe Dosen die Immunabwehr unbegrenzt verstärken. Bei Menschen ohne Mangel ist kein allgemeiner Schutz vor sämtlichen Erkältungen, Infektionen oder schweren Krankheitsverläufen nachgewiesen.
Die sinnvolle Zielsetzung lautet, einen Mangel zu vermeiden oder zu behandeln – nicht, den Vitamin-D-Wert möglichst hoch anzuheben.
Hilft Vitamin D beim Abnehmen?
Menschen mit Übergewicht weisen statistisch häufiger niedrigere Vitamin-D-Werte auf. Dies bedeutet nicht, dass ein niedriger Vitamin-D-Wert die alleinige Ursache des Übergewichts ist.
Randomisierte Studien zeigen nicht, dass Vitamin-D-Präparate ohne Kaloriendefizit zu einer relevanten Gewichts- oder Fettabnahme führen. Vitamin D ist daher kein Mittel zur Gewichtsreduktion.
Schützt Vitamin D das Herz?
Niedrige Vitamin-D-Werte treten häufiger gemeinsam mit Herz-Kreislauf-Risikofaktoren auf. Klinische Studien konnten jedoch keinen zuverlässigen allgemeinen Schutz durch Vitamin-D-Präparate vor Herzinfarkt, Schlaganfall oder anderen kardiovaskulären Erkrankungen zeigen.
Auch die VITAL-Studie fand durch täglich 2.000 IE Vitamin D3 keine signifikante Verringerung schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse.
Muss Vitamin D mit Vitamin K2 kombiniert werden?
Eine zusätzliche Einnahme von Vitamin K2 ist nicht grundsätzlich bei jeder üblichen Vitamin-D-Supplementierung erforderlich.
Kombinationsprodukte werden häufig mit der Behauptung beworben, Vitamin K2 lenke das durch Vitamin D aufgenommene Kalzium automatisch in die Knochen und verhindere Ablagerungen in Gefäßen. Daraus lässt sich jedoch keine allgemeine Pflicht zur kombinierten Einnahme ableiten.
Besondere Vorsicht gilt bei gerinnungshemmenden Medikamenten vom Typ der Vitamin-K-Antagonisten. Vitamin-K-haltige Nahrungsergänzungsmittel können deren Wirkung beeinflussen und sollten nur nach ärztlicher Rücksprache verwendet werden.
Das BfR weist zudem darauf hin, dass für hoch dosierte Kombinationen aus Vitamin D und Vitamin K2 wichtige Sicherheitsdaten fehlen.
Welche Medikamente können relevant sein?
Vitamin-D-Präparate können mit Medikamenten wechselwirken oder der Vitamin-D-Stoffwechsel kann durch Medikamente beeinflusst werden.
Besondere Aufmerksamkeit ist unter anderem erforderlich bei:
- Thiazid-Diuretika,
- Kortisonpräparaten,
- Orlistat,
- bestimmten Statinen,
- Kalziumpräparaten,
- mehreren gleichzeitig verwendeten Vitaminprodukten.
Thiazid-Diuretika reduzieren beispielsweise die Kalziumausscheidung über die Nieren. In Kombination mit Vitamin D kann dadurch insbesondere bei Nierenerkrankungen oder Störungen der Nebenschilddrüse das Risiko eines zu hohen Kalziumspiegels steigen.
Praktische Entscheidungshilfe
Kein besonderes Risiko und keine Beschwerden
Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßiger Aufenthalt im Freien stehen im Vordergrund. Eine routinemäßige Hochdosis-Supplementierung ist nicht erforderlich.
Wenig Sonne oder erhöhtes Risiko
Eine ärztliche Einschätzung und gegebenenfalls ein 25(OH)D-Bluttest sind sinnvoll. Anschließend kann über eine passende Einnahme entschieden werden.
Nachgewiesener Mangel
Die Behandlung richtet sich nach Blutwert, Ursache und individuellen Faktoren. Dosierung und Kontrollzeitpunkt sollten medizinisch festgelegt werden.
Bereits langfristige Einnahme hoher Dosen
Die Gesamtdosis aller Präparate sollte geprüft werden. Eine Kontrolle von 25(OH)D, Kalzium und gegebenenfalls Nierenwerten kann erforderlich sein.
Beschwerden einer möglichen Überdosierung
Bei starkem Durst, häufigem Wasserlassen, Übelkeit, Verwirrtheit, Muskelschwäche oder Nierenbeschwerden unter hoch dosierter Einnahme muss das Präparat abgesetzt und medizinische Hilfe eingeholt werden.
Fazit: Ausreichend ist besser als möglichst viel
Vitamin D ist unverzichtbar für den Kalzium- und Knochenstoffwechsel und spielt auch bei Muskeln und Immunsystem eine Rolle. Ein ausgeprägter Mangel kann ernsthafte gesundheitliche Folgen verursachen und sollte behandelt werden.
Vitamin D ist jedoch kein zuverlässiges Allheilmittel gegen Krebs, Depressionen, Übergewicht oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Beobachtete Zusammenhänge zwischen niedrigen Blutwerten und Krankheiten beweisen nicht, dass hohe Dosen vorbeugend oder therapeutisch wirken.
Der Schätzwert von 20 Mikrogramm beziehungsweise 800 IE pro Tag gilt bei fehlender körpereigener Bildung. Er ist weder ein universeller Zielwert für Nahrungsergänzungsmittel noch eine Behandlungsdosis für jeden Menschen.
Sinnvoll ist eine individuelle Vorgehensweise:
- regelmäßiger Aufenthalt im Freien ohne Sonnenbrand,
- vitamin-D-haltige Lebensmittel,
- gezielte Supplementierung bei erhöhtem Risiko oder nachgewiesenem Mangel,
- keine unkontrollierten Hoch- oder Bolusdosen,
- medizinische Kontrolle bei Erkrankungen, Medikamenten oder langfristig höheren Dosierungen.
Häufige Fragen zu Vitamin D
Wie viel Vitamin D braucht ein Erwachsener täglich?
Bei vollständig fehlender körpereigener Bildung beträgt der Schätzwert 20 Mikrogramm beziehungsweise 800 IE täglich. Bei ausreichender Bildung über die Haut muss diese Menge nicht vollständig über Präparate aufgenommen werden.
Welcher Vitamin-D-Wert ist gut?
Für die meisten gesunden Menschen gelten mindestens 50 nmol/l beziehungsweise 20 ng/ml als ausreichend. Unter 30 nmol/l beziehungsweise 12 ng/ml besteht ein erhöhtes Risiko für einen klinisch relevanten Mangel.
Ist ein Wert von 30 ng/ml notwendig?
Nicht zwingend. Verschiedene Fachgesellschaften verwenden unterschiedliche Zielbereiche. Für die meisten gesunden Menschen gilt bereits ein Wert ab 20 ng/ml als ausreichend für die Knochengesundheit.
Sollte man Vitamin D im Winter einnehmen?
Das hängt von Sonnenexposition, Ernährung, Alter, Hauttyp, Erkrankungen und Risikofaktoren ab. Eine pauschale Hochdosis-Empfehlung für alle Menschen ist nicht gerechtfertigt.
Kann man Vitamin D täglich einnehmen?
Bei bestehendem Bedarf werden tägliche niedrigere Dosierungen häufig gegenüber seltenen hohen Bolusdosen bevorzugt.
Sind 1.000 IE Vitamin D viel?
1.000 IE entsprechen 25 Mikrogramm. Die Einordnung hängt von Alter, Blutwert, Eigenproduktion, Ernährung und medizinischer Situation ab.
Sind 4.000 IE täglich gefährlich?
4.000 IE beziehungsweise 100 Mikrogramm entsprechen bereits der tolerierbaren täglichen Obergrenze für Erwachsene. Diese Obergrenze ist keine allgemeine Einnahmeempfehlung und sollte nicht ohne medizinische Begründung dauerhaft ausgeschöpft werden.
Kann Vitamin D die Nieren schädigen?
Eine Überdosierung kann den Kalziumspiegel erhöhen und Nierensteine oder Nierenversagen verursachen. Das Risiko entsteht vor allem durch falsch oder zu hoch dosierte Präparate.
Muss Vitamin D zusammen mit Fett eingenommen werden?
Etwas Nahrungsfett kann die Aufnahme verbessern. Eine normale Mahlzeit ist dafür ausreichend.
Ist Vitamin D3 besser als Vitamin D2?
Beide Formen erhöhen den Vitamin-D-Wert. Vitamin D3 führt im Durchschnitt zu einer stärkeren und länger anhaltenden Erhöhung des 25(OH)D-Spiegels.
Braucht man Vitamin K2 zu Vitamin D?
Nicht grundsätzlich. Bei Vitamin-K-Antagonisten kann K2 problematisch sein. Hoch dosierte Kombinationen sollten nicht eigenständig eingenommen werden.
Hilft Vitamin D gegen Müdigkeit?
Ein ausgeprägter Mangel kann mit Muskelschwäche und unspezifischen Beschwerden verbunden sein. Müdigkeit allein beweist jedoch keinen Mangel und kann zahlreiche andere Ursachen haben.
Verhindert Vitamin D Depressionen?
Die vorhandenen klinischen Studien zeigen keinen zuverlässigen allgemeinen Schutz vor Depressionen.
Schützt Vitamin D vor Krebs?
Für eine allgemeine Krebsprävention durch Vitamin-D-Präparate besteht kein ausreichender Nachweis.
Kann Sonnenlicht Vitamin D überdosieren?
Eine Vitamin-D-Vergiftung durch normale Sonnenbestrahlung ist nicht zu erwarten. Zu viel UV-Strahlung bleibt wegen Hautkrebs und Hautschäden dennoch gefährlich.
Welcher Blutwert wird gemessen?
Zur Beurteilung der Versorgung wird normalerweise 25-Hydroxyvitamin D beziehungsweise 25(OH)D bestimmt.
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