Eine Seilbahn quer durch Graz, Gondeln entlang der Mur und eine direkte Verbindung von Eggenberg über den Plabutsch bis zum Thalersee: Graz hat in den vergangenen Jahren gleich mehrere ungewöhnliche Seilbahnprojekte diskutiert.
Tatsächlich befindet sich im August 2026 jedoch keine neue Gondel in Graz im Bau. Die Murgondel kam nie über unterschiedliche Konzept- und Machbarkeitsphasen hinaus. Die konkreter geplante Plabutschgondel wurde zunächst verschoben und 2020 im Zuge eines städtischen Investitionsstopps auf Eis gelegt. In den derzeit veröffentlichten Grazer Mobilitäts- und Infrastrukturprojekten spielt sie keine aktive Rolle mehr. Der Schwerpunkt liegt inzwischen auf Straßenbahn, S-Bahn, Busverkehr und der Untersuchung eines langfristigen S-Bahn-Tunnels.
Damit ist die Geschichte der Grazer Gondelprojekte trotzdem nicht bedeutungslos. Sie zeigt, wie Graz nach neuen Verkehrsebenen suchte, wie touristische und verkehrspolitische Ziele vermischt wurden und warum spektakuläre Visualisierungen noch lange kein umsetzbares Verkehrssystem ergeben.
Mein persönlicher Eindruck: Die Plabutschgondel war als Freizeitbahn nachvollziehbarer als die Murgondel als städtisches Massenverkehrsmittel. Beide Projekte litten jedoch darunter, dass ihr konkreter Alltagsnutzen gegenüber Kosten, Eingriffen und bestehenden Verkehrsverbindungen nicht überzeugend genug nachgewiesen wurde.
Gondel Graz: Der aktuelle Stand 2026
| Projekt | Geplante Funktion | Letzter konkreter Planungsstand | Status 2026 |
|---|---|---|---|
| Murgondel | öffentliches Verkehrsmittel entlang der Mur | unterschiedliche Varianten zwischen Grazer Norden, Puntigam und Flughafen | nicht in Umsetzung |
| Plabutschgondel | Freizeitbahn von Eggenberg über den Plabutsch zum Thalersee | 2018 präsentierte Einseilumlaufbahn | seit 2020 gestoppt |
| Schöcklseilbahn | bestehende Ausflugsbahn auf den Schöckl | laufender Betrieb | in Betrieb |
| Schloßbergbahn | Standseilbahn auf den Grazer Schloßberg | laufender Betrieb | in Betrieb |
| Schloßberglift | Aufzug im Schloßberg | laufender Betrieb | in Betrieb |
Die einzige klassische Gondelbahn im unmittelbaren Grazer Ausflugsgebiet bleibt somit die Schöcklseilbahn in St. Radegund. Sie feierte im März 2026 ihr 75-jähriges Bestehen. Die Grazer Schloßbergbahn ist technisch keine Gondelbahn, sondern eine Standseilbahn.
Warum Graz überhaupt über Seilbahnen diskutierte
Seilbahnen werden in Städten meistens dort interessant, wo natürliche oder bauliche Hindernisse andere Verkehrssysteme erschweren. Sie können Flüsse, steile Hänge, Bahntrassen oder dicht verbaute Bereiche ohne durchgehende Straße überwinden.
Für Graz ergaben sich daraus zwei grundsätzlich unterschiedliche Ideen:
- Die Murgondel sollte eine zusätzliche öffentliche Verkehrsebene entlang des Flusses schaffen.
- Die Plabutschgondel sollte vor allem ein Naherholungsgebiet erschließen und Graz mit dem Thalersee verbinden.
Diese beiden Projekte sollten daher nicht in einen Topf geworfen werden. Die Murgondel wurde als Teil des Stadtverkehrs diskutiert. Die Plabutschgondel war überwiegend eine touristische Ausflugs- und Freizeitbahn.
Mehr über den grundsätzlichen Einsatz urbaner Seilbahnen steht im Blogofant-Beitrag Seilbahnen erobern die Städte.
Die Murgondel: Eine Seilbahn durch Graz
Was war die Murgondel?
Die Murgondel war die Idee einer Stadtseilbahn, die weitgehend entlang der Mur verlaufen sollte. Abhängig vom jeweiligen Planungsstand wurden Verbindungen zwischen dem Grazer Norden, der Innenstadt, Puntigam und dem Flughafen Graz diskutiert.
Der Verlauf entlang der Mur wirkte auf den ersten Blick logisch: Der Fluss bildet einen weitgehend freien Korridor durch die Stadt. Eine Seilbahn hätte weniger Wohnhäuser direkt überqueren müssen als bei einer Trasse quer durch dicht bebaute Bezirke.
Die Konzepte veränderten sich allerdings mehrfach. In einer 2014 im Grazer Gemeinderat behandelten Anfrage war von einer 6,2 Kilometer langen Variante mit geschätzten Kosten von rund 90 Millionen Euro die Rede. Frühere Überlegungen sahen längere Abschnitte von der Weinzödlbrücke über Puntigam bis in Richtung Flughafen vor.
Welche Stationen waren vorgesehen?
Eine endgültige und beschlossene Stationsliste gab es nicht. In den unterschiedlichen Konzepten wurden unter anderem folgende Bereiche genannt:
- Weinzödl beziehungsweise Grazer Norden
- Andritz
- Innenstadt und Hauptbrücke
- Südtiroler Platz und Kunsthaus
- Augarten
- Puntigam
- Flughafen Graz
- mögliche Abzweigungen zu Hauptbahnhof oder Reininghaus
Gerade die wechselnden Varianten zeigen das Hauptproblem des Projekts: Die Murgondel war mehr Vision als fertig entwickeltes Verkehrsangebot.
Vorteile der Murgondel
Die Mur als freier Verkehrskorridor
Entlang des Flusses wären weniger Gebäude direkt betroffen gewesen als bei vielen anderen innerstädtischen Trassen. Außerdem hätte die Seilbahn mehrere Straßen und Brücken ohne zusätzliche Kreuzungen überwinden können.
Kontinuierlicher Betrieb
Umlaufseilbahnen bewegen sich kontinuierlich. Fahrgäste müssten nicht auf einen klassischen Fahrplan warten, sofern ausreichend Kabinen eingesetzt werden.
Unabhängigkeit vom Straßenverkehr
Staus, Ampeln und Baustellen auf den Straßen hätten die eigentliche Seilbahnfahrt nicht unmittelbar verlangsamt.
Auffälliges Stadtbild
Eine Gondel entlang der Mur wäre auch touristisch interessant gewesen. Der Blick auf Schloßberg, Kunsthaus, Murinsel und Grazer Altstadt hätte aus einer erhöhten Perspektive einen hohen Erlebniswert besessen.
Nachteile der Murgondel
Die Trasse lag nicht automatisch bei den Fahrgastzielen
Ein freier Korridor ist nicht zwangsläufig ein guter Verkehrskorridor. Viele Wohnungen, Arbeitsplätze, Schulen und Einkaufsziele liegen nicht direkt an der Mur. Fahrgäste hätten daher häufig vor und nach der Gondelfahrt umsteigen oder längere Fußwege zurücklegen müssen.
Stationen benötigen viel Platz
Nicht die Seile, sondern die Stationen wären im dichten Stadtgebiet problematisch gewesen. Dort werden Bahnsteige, technische Anlagen, Sicherheitsbereiche, Zu- und Abgänge sowie Umsteigemöglichkeiten benötigt.
Viele Zwischenstationen bremsen das System
Eine Stadtbahn benötigt zahlreiche Haltestellen. Bei einer Seilbahn erhöht jede Station die Kosten und verlangsamt die Fahrt. Mit wenigen Stationen wäre die Murgondel schnell, aber für weniger Menschen erreichbar gewesen. Mit vielen Stationen wäre sie nützlicher, aber technisch komplexer und langsamer geworden.
Eingriffe in Stadtbild und Privatsphäre
Gondeln hätten dauerhaft in erhöhter Position verkehrt. Je nach Trassenführung wären Sichtbeziehungen zu Wohnungen, Gärten und öffentlichen Freiflächen entstanden.
Rettung und Betriebsunterbrechungen
Wind, Gewitter, technische Störungen und Evakuierungskonzepte müssen bei einer urbanen Seilbahn besonders berücksichtigt werden. Ein Ersatzverkehr entlang der Mur wäre nicht an jedem Abschnitt unmittelbar verfügbar gewesen.
Warum wurde die Murgondel nicht gebaut?
Die Murgondel erreichte nie den politischen und planerischen Reifegrad eines unmittelbar bevorstehenden Bauprojekts. Kosten, Trassenführung, Fahrgastpotenzial und Einbindung in das bestehende Verkehrsnetz blieben umstritten.
Spätere Grazer Verkehrsdebatten konzentrierten sich auf andere Großprojekte. Inzwischen stehen der Ausbau von Straßenbahn und S-Bahn sowie die langfristige Untersuchung eines innerstädtischen S-Bahn-Tunnels im Vordergrund.
Meine Einschätzung zur Murgondel
Die Murgondel wäre visuell spektakulär gewesen, als Rückgrat des Grazer Verkehrs aber nur eingeschränkt überzeugend.
Eine Stadtseilbahn funktioniert besonders gut, wenn sie ein klar definiertes Hindernis überwindet und zwei stark frequentierte Verkehrsknoten direkt verbindet. Die Murgondel sollte dagegen über viele Kilometer Aufgaben einer Straßenbahn oder S-Bahn übernehmen. Dafür besitzt eine Seilbahn zu wenig Netzflexibilität und zu hohe Anforderungen an jede einzelne Station.
Als kurze Verbindung über die Mur oder als Zubringer zu einem schwer erreichbaren Ziel hätte das System eher funktioniert als als lange Nord-Süd-Achse.
Die Plabutschgondel von Eggenberg zum Thalersee
Was war geplant?
Die Plabutschgondel wurde 2018 wesentlich konkreter präsentiert als die Murgondel. Geplant war eine Einseilumlaufbahn von der Peter-Tunner-Gasse in Eggenberg auf den Plabutsch und anschließend auf der anderen Bergseite hinunter zum Thalersee.
Die Fahrt sollte aus zwei Abschnitten bestehen:
- Eggenberg–Plabutsch: rund sieben Minuten
- Plabutsch–Thalersee: rund neun Minuten
Vorgesehen waren Zehnerkabinen und eine maximale Förderleistung von bis zu 1.600 Personen pro Stunde. Die reine Seilbahn wurde mit rund 35 Millionen Euro kalkuliert. Hinzu kamen damals drei Millionen Euro für Grundstücke und 3,4 Millionen Euro für den Neubau beziehungsweise die Neugestaltung des Thalersee-Restaurants.
Die geplante Strecke im Überblick
| Abschnitt | Ungefähre schräge Länge | Höhenunterschied | Geplante Fahrzeit |
|---|---|---|---|
| Peter-Tunner-Gasse–Plabutsch | 1,82 km | 362 m | 7 Minuten |
| Plabutsch–Thalersee | 2,30 km | 313 m | 9 Minuten |
| Gesamtstrecke | rund 4,1 km | zwei Bergseiten | rund 16 Minuten |
Die Planer bevorzugten eine Einseilumlaufbahn mit Zehnerkabinen. Dieses System sollte Kinderwagen, Fahrräder und Sportgeräte aufnehmen können und im Ganzjahresbetrieb fahren.
Wo sollte die Talstation in Graz entstehen?
Die Grazer Talstation war im Bereich Peter-Tunner-Gasse beziehungsweise Eggenberg vorgesehen. Bei der Standortbewertung spielten die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln sowie die Anbindung für Fußgänger und Radfahrer eine zentrale Rolle.
Die Lage hätte den Vorteil geboten, dass der Plabutsch von der Stadtseite ohne Auto erreichbar geworden wäre. Gleichzeitig lag die geplante Talstation nicht im touristischen Zentrum und auch nicht unmittelbar an einem großen überregionalen Verkehrsknoten.
Was sollte am Plabutsch entstehen?
Die Gondel war Teil eines größeren Freizeitkonzepts. Diskutiert wurden unter anderem:
- Wanderwege
- Mountainbike-Strecken
- Flowtrail und Pumptrack
- Familienbereiche
- Aussichtspunkte
- gastronomische Angebote
- Verbindung zum Thalersee
- verbesserte Erreichbarkeit des Fürstenstands
Die Projektunterlagen betonten eine sanfte und naturverträgliche Entwicklung. Gleichzeitig wären für Stützen, Stationen, Trasse und zusätzliche Angebote Eingriffe in Wald- und Biotopflächen erforderlich gewesen. Die damalige Voruntersuchung ging davon aus, dass Auswirkungen durch Ausgleichsmaßnahmen reduziert werden könnten; weitere behördliche und umweltrechtliche Prüfungen wären dennoch notwendig gewesen.
Warum wirkte die Plabutschgondel attraktiv?
Der Plabutsch wäre barriereärmer erreichbar geworden
Der Fürstenstand ist ein attraktiver Aussichtspunkt, aber zu Fuß mit deutlicher Steigung verbunden. Für Personen mit Mobilitätseinschränkungen, kleine Kinder oder Menschen ohne passende Wanderausrüstung wäre die Gondel ein neuer Zugang gewesen.
Zwei Naherholungsgebiete wären verbunden worden
Die Bahn hätte Eggenberg, den Plabutsch und den Thalersee in einer durchgehenden Freizeitachse verbunden.
Die Aussicht wäre außergewöhnlich gewesen
Die Fahrt von Eggenberg auf den Plabutsch hätte einen weiten Blick über Graz, den Schloßberg, das Grazer Becken und die umliegenden Hügel ermöglicht.
Fahrräder hätten transportiert werden können
Eine Mitnahme von Fahrrädern hätte Bergauffahrten erleichtert und neue Kombinationen aus Gondel, Mountainbike und Talfahrt ermöglicht.
Touristische Ergänzung für Graz
Graz besitzt mit Altstadt, Schloßberg und Schloß Eggenberg starke Kulturangebote. Die Plabutschgondel hätte diese um ein leicht erreichbares Natur- und Aussichtserlebnis ergänzt.
Welche Probleme hatte das Projekt?
Hohe Investitionskosten
Die häufig genannten 35 Millionen Euro bezogen sich nur auf die Seilbahn inklusive eines eingeplanten Puffers. Grundstücksankäufe und das Thalersee-Restaurant erhöhten den Projektumfang auf mehr als 41 Millionen Euro. Spätere Preissteigerungen und Baukostenentwicklungen waren darin naturgemäß noch nicht enthalten.
Unsichere Auslastung an Werktagen
Ein Ausflugsziel erzeugt besonders an Wochenenden, Feiertagen und schönen Sommertagen Nachfrage. Für einen wirtschaftlichen Ganzjahresbetrieb wären aber auch schwächere Werktage und Wintermonate relevant gewesen.
Geringer Nutzen für den täglichen Stadtverkehr
Die Bahn hätte zwar Thal und Eggenberg verbunden, ihre Talstationen lagen jedoch nicht direkt in den Wohnschwerpunkten. Für viele Pendler wären zusätzliche Bus-, Straßenbahn- oder Autofahrten notwendig geblieben.
Eingriffe in Natur und Landschaft
Auch eine Seilbahn benötigt Stützen, Schneisen, Stationen, Zufahrten und Rettungswege. Die Aussage, eine Gondel berühre den Naturraum kaum, wäre daher zu einfach.
Konkurrenz um öffentliche Investitionen
Kritiker verwiesen darauf, dass Graz gleichzeitig Geld für Straßenbahn, Busverkehr, Radwege, Schulen und andere kommunale Aufgaben benötigte. Die Gondel wurde deshalb nicht nur technisch, sondern vor allem hinsichtlich der politischen Prioritäten diskutiert.
Warum wurde die Plabutschgondel abgesagt?
2019 wurde die Umsetzung zunächst zurückgestellt. Die ursprünglich für 2022 angekündigte Eröffnung war damit bereits nicht mehr realistisch. Im Mai 2020 erklärte die damalige Stadtführung das Projekt im Zuge eines allgemeinen Investitionsstopps für gestoppt beziehungsweise auf Eis gelegt.
Seitdem wurde kein neues genehmigtes Bauprogramm, keine Ausschreibung und kein belastbarer Realisierungstermin veröffentlicht. Auch in den aktuellen Grazer Ausbauprogrammen für den öffentlichen Verkehr ist die Plabutschgondel nicht als laufendes Projekt enthalten.
Für Besucher ist daher entscheidend:
Die Plabutschgondel fährt nicht und es existiert derzeit kein angekündigter Eröffnungstermin.
Der alte Beitrag sollte keinesfalls mehr behaupten, dass die Bahn künftig zwischen Eggenberg und dem Thalersee verkehren „wird“.
Was wurde trotzdem umgesetzt?
Der Thalersee wurde weiterentwickelt
Die Entwicklung des Thalersees war zwar eng mit den damaligen Gondelplänen verbunden, wurde aber nicht vollständig aufgegeben. Das Naherholungsgebiet und die Gastronomie wurden eigenständig weiterentwickelt.
Der Thalersee ist heute weiterhin ohne Gondel erreichbar. Die Holding Graz nennt die Buslinie 48 ab Gösting als öffentliche Verbindung.
Der Plabutsch bleibt ein Wanderziel
Der Plabutsch und der Fürstenstand sind weiterhin zu Fuß erreichbar. Offizielle Wanderbeschreibungen führen unter anderem von Gösting oder Eggenberg auf den Berg. Am Fürstenstand befinden sich Aussichtsmöglichkeiten, Gastronomie und ein Spielplatz. Die Wege besitzen teilweise starke Steigungen und sind nicht durchgehend für Kinderwagen geeignet.
Die Mur wurde anders aufgewertet
Statt einer Gondel entstanden beziehungsweise entstehen entlang der Mur andere Freizeit- und Stadtentwicklungsprojekte. Dazu zählen Promenaden, Aufenthaltsbereiche, Wassersportangebote, die Augartenbucht und weitere Maßnahmen aus dem Projekt Lebensraum Mur.
Meine Bewertung: Welche Gondelidee war sinnvoller?
Als Verkehrsmittel: keine der beiden vollständig
Die Murgondel sollte zu viele Aufgaben gleichzeitig übernehmen. Eine lange Linie mit wenigen Stationen wäre für viele Fahrgäste schlecht erreichbar gewesen. Eine Linie mit vielen Stationen wäre teuer und langsamer geworden.
Die Plabutschgondel hätte zwar eine Verbindung nach Thal geschaffen, wäre aber ebenfalls kein vollwertiger Ersatz für ein dichtes Bus- oder Straßenbahnnetz gewesen.
Als Freizeitprojekt: die Plabutschgondel
Als touristische Ausflugsbahn hatte die Plabutschgondel das klarere Profil:
- deutlicher Höhenunterschied
- attraktives Ziel am Berg
- Aussicht während der Fahrt
- Verbindung zweier Naherholungsgebiete
- schwierigerer Zugang ohne Seilbahn
- Fahrrad- und Freizeitnutzung
Genau für solche Aufgaben sind Seilbahnen konstruktiv geeignet.
Mein persönlicher Favorit wäre eine kürzere Variante gewesen
Die vollständige Verbindung von Eggenberg über den Plabutsch zum Thalersee machte das Projekt erheblich länger und teurer.
Eine verkürzte Bahn ausschließlich von Eggenberg auf den Plabutsch hätte einen klareren Schwerpunkt besessen:
- weniger Trassenlänge
- geringere Investition
- direkter Zugang zum Aussichtspunkt
- einfacherer Betrieb
- bessere Verbindung mit Schloß Eggenberg
- weniger Abhängigkeit von einer zweiten Talstation
Der Thalersee hätte weiterhin mit dem Bus erreichbar bleiben können.
Auch diese kleinere Variante wäre nur dann vertretbar gewesen, wenn belastbare Besucherzahlen, Betriebskosten und ein Finanzierungskonzept vorgelegen hätten. Als Freizeitangebot wäre sie aber schlüssiger gewesen als eine teilweise als Pendlerverbindung vermarktete Durchquerung des gesamten Berges.
Welche Gondeln und Bergbahnen gibt es heute rund um Graz?
Schöcklseilbahn
Die Schöcklseilbahn führt von St. Radegund auf den Grazer Hausberg. Sie ist eine echte Einseilumlaufbahn und damit das Angebot, das einer klassischen Gondelfahrt rund um Graz am nächsten kommt.
Die Bahn wurde 1951 eröffnet und feierte 2026 ihren 75. Geburtstag.
Ausführliche Informationen stehen in den Blogofant-Beiträgen:
Grazer Schloßbergbahn
Die Schloßbergbahn verbindet den Kaiser-Franz-Josef-Kai mit dem Grazer Schloßberg. Sie ist keine Gondel, sondern eine Standseilbahn mit zwei Fahrzeugen, die auf Schienen verkehren.
Sie eignet sich besonders für Reisende, die den Schloßberg ohne Treppenaufstieg erreichen möchten.
Mehr dazu:
Schloßberglift
Der Schloßberglift fährt im Inneren des Berges nach oben. Er bietet keine Panoramafahrt, ist jedoch die schnellste und weitgehend barrierearme Möglichkeit, den Schloßberg zu erreichen.
Der ehemalige Plabutsch-Sessellift
Auf den Plabutsch führte früher tatsächlich ein Sessellift. Er wurde jedoch bereits vor Jahrzehnten eingestellt und abgebaut. Die geplante Plabutschgondel wäre somit keine vollkommen neue Grundidee gewesen, sondern eine moderne Wiederbelebung einer historischen Aufstiegshilfe.
Plabutsch ohne Gondel erleben
Auch ohne Seilbahn lohnt sich der Plabutsch, besonders für Menschen, die Graz nicht nur über Altstadt und Schloßberg kennenlernen möchten.
Fürstenstand
Der Fürstenstand liegt auf ungefähr 754 Metern Höhe und bietet einen weiten Blick über Graz und in Richtung Weststeiermark. Bei guter Sicht reicht das Panorama weit über das Stadtgebiet hinaus.
Mein persönliches Highlight ist die Perspektive auf Graz: Vom Schloßberg blickt man unmittelbar auf die Altstadt. Vom Plabutsch erscheint dagegen das gesamte Grazer Becken als zusammenhängender Stadtraum.
Wanderung von Gösting
Die Route von Gösting führt teilweise steil durch Waldgebiete hinauf. Sie eignet sich für einen aktiven Halbtagesausflug, ist aber nicht mit einem gemütlichen Stadtspaziergang vergleichbar.
Wanderung von Eggenberg
Von Eggenberg bestehen verschiedene Wege über die Hubertushöhe und die Kernstockwarte in Richtung Fürstenstand. Dadurch lässt sich der Ausflug gut mit Schloß Eggenberg verbinden.
Weiterweg zum Thalersee
Geübte Wanderer können den Plabutsch überqueren und auf der westlichen Seite in Richtung Thal absteigen. Die Rückfahrt sollte vorab geplant werden, weil Ausgangs- und Endpunkt nicht identisch sind.
Zeitlinie der Grazer Gondelprojekte
Um 2010: Erste breite Diskussion über die Murgondel
Eine Seilbahn entlang der Mur sollte als zusätzliche Verkehrsebene zwischen dem Norden, Puntigam und möglicherweise dem Flughafen dienen.
2013 und 2014: Neue Varianten
Die Murgondel wurde erneut diskutiert. Eine Variante umfasste etwa 6,2 Kilometer und wurde mit ungefähr 90 Millionen Euro beziffert.
2017: Planungsauftrag für den Plabutsch
Der Grazer Gemeinderat stellte Mittel für Untersuchungen zur Erschließung des Plabutsch bereit.
November 2018: Präsentation der Plabutschgondel
Die Stadt präsentierte die Strecke von Eggenberg über den Plabutsch zum Thalersee. Als Eröffnungstermin wurde damals Frühjahr 2022 genannt.
2019: Umsetzung wird verschoben
Die Finanzierung und politische Priorität des Projekts wurden zunehmend infrage gestellt. Die geplante Realisierung rückte in die Ferne.
Mai 2020: Projektstopp
Die Plabutschgondel wurde im Zusammenhang mit dem städtischen Investitionsstopp auf Eis gelegt.
2026: Keine aktive Gondelplanung
Die veröffentlichten Grazer Mobilitätsprojekte konzentrieren sich auf Straßenbahn, Busse, S-Bahn und langfristige Schieneninfrastruktur. Für Murgondel oder Plabutschgondel existiert kein aktueller Bau- oder Eröffnungstermin.
Häufige Fragen zur Gondel in Graz
Gibt es eine Gondel in Graz?
Im Grazer Stadtgebiet gibt es derzeit keine klassische urbane Gondelbahn. Auf den Schloßberg führen eine Standseilbahn und ein Lift. Die nächstgelegene klassische Gondel ist die Schöcklseilbahn in St. Radegund.
Wird die Plabutschgondel noch gebaut?
Derzeit nicht. Das Projekt wurde 2020 gestoppt und ist in den aktuellen veröffentlichten Ausbauprogrammen nicht als laufendes Vorhaben enthalten. Ein neuer Eröffnungstermin existiert nicht.
Wann sollte die Plabutschgondel ursprünglich eröffnen?
Bei der Präsentation im November 2018 wurde eine Inbetriebnahme im Frühjahr 2022 angekündigt. Dieser Zeitplan wurde nicht umgesetzt.
Wie viel sollte die Plabutschgondel kosten?
Die Seilbahn selbst wurde mit rund 35 Millionen Euro kalkuliert. Zusätzlich waren ungefähr drei Millionen Euro für Grundstücke und 3,4 Millionen Euro für das Thalersee-Restaurant vorgesehen.
Wo sollte die Plabutschgondel verlaufen?
Die Strecke sollte von der Peter-Tunner-Gasse in Eggenberg auf den Plabutsch führen und anschließend auf der westlichen Seite zum Thalersee hinunterfahren.
Wie lange hätte die Fahrt gedauert?
Für den Abschnitt von Eggenberg auf den Plabutsch waren sieben Minuten vorgesehen. Vom Plabutsch zum Thalersee sollten weitere neun Minuten benötigt werden.
Was war die Murgondel?
Die Murgondel war eine geplante Stadtseilbahn entlang der Mur. Unterschiedliche Varianten sollten den Grazer Norden, die Innenstadt, Puntigam und möglicherweise den Flughafen verbinden.
Wird die Murgondel noch verfolgt?
Es gibt derzeit kein aktives Umsetzungsprojekt und keinen Bautermin. Die aktuellen Grazer Verkehrsplanungen konzentrieren sich auf andere öffentliche Verkehrssysteme.
Wie kommt man ohne Gondel auf den Plabutsch?
Der Plabutsch ist über Wanderwege von Gösting, Eggenberg und Thal erreichbar. Ein bekanntes Ziel ist der Fürstenstand mit Aussichtspunkt und Gastronomie.
Wie kommt man öffentlich zum Thalersee?
Der Thalersee ist mit der Buslinie 48 ab Gösting erreichbar. Aktuelle Abfahrtszeiten sollten vor dem Ausflug bei der Holding Graz beziehungsweise in der Verbund-Fahrplanauskunft geprüft werden.
Welche Seilbahn lohnt sich als Alternative?
Die Schöcklseilbahn bietet eine echte Gondelfahrt auf den Grazer Hausberg. Innerhalb der Stadt liefern Schloßbergbahn und Schloßberglift einen schnellen Zugang zum Uhrturm und zu den Aussichtspunkten des Schloßbergs.
Fazit: Die Gondel für Graz blieb eine Vision
Graz hat gleich zwei grundlegend unterschiedliche Seilbahnideen diskutiert. Die Murgondel sollte ein neues öffentliches Verkehrsmittel entlang der Mur werden. Die Plabutschgondel sollte den Grazer Westen mit einem attraktiven Naherholungsgebiet verbinden.
Gebaut wurde keine der beiden Bahnen.
Die Murgondel blieb zu abstrakt und versuchte, auf einer langen Strecke Aufgaben klassischer Stadtverkehrssysteme zu übernehmen. Die Plabutschgondel besaß als Ausflugsbahn das überzeugendere Konzept, scheiterte aber an Kosten, politischer Priorität, unsicherer Wirtschaftlichkeit und dem späteren Investitionsstopp.
Mein persönliches Urteil fällt deshalb zweigeteilt aus: Als tägliches Verkehrsmittel braucht Graz leistungsfähige, eng vernetzte Straßenbahn-, Bus- und S-Bahn-Verbindungen. Eine kürzere Gondel von Eggenberg auf den Plabutsch hätte dagegen als touristische Ergänzung und barriereärmere Aufstiegshilfe einen eigenständigen Reiz gehabt.
Derzeit bleibt dieser Blick über Graz Wanderern vorbehalten. Wer heute tatsächlich mit einer Gondel fahren möchte, findet mit der Schöcklseilbahn die passende Alternative. Für einen klassischen Stadtbesuch führen die Schloßbergbahn und der Schloßberglift zum bekanntesten Panorama der Stadt.
Weitere Anregungen stehen in den Beiträgen Graz – acht Highlights und Sehenswürdigkeiten, Graz an einem Tag und Graz in drei Stunden.
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