Menu Close

Wie schreibt man einen guten Krimi?

Schreiben Stift
Posted in Ratgeber

In diesem Beitrag geht es eigentlich nur um ein zentrales Thema: Wie schreibt man einen guten Krimi Roman. Es gibt Bücher, da fühlt man sich mitten drin. Umgeben vom Erzähler. Man ist vor Ort und betrachtet die Landschaft, die Personen, die Handlungen. Doch dies ist nicht so einfach. Wie schreibt man eigentlich einen guten Bestseller Krimi?

Schreiben ist King

Als aller Erstes gilt: Jedes geschriebene Wort, jede Geschichte, jeder Satz ist etwas Wert. Es ist ein Anfang von etwas Größerem. Die Motivation, sich hinzusetzten und zu schreiben, ist wichtig. Oftmals gilt die erste aufgeschrieben Geschichte als die Hauptstory, welche anschließend mit weitern Personen, Nebenstorys und Ausschmückungen erweitert wird. Es klingt eigentlich einfach, einen guten Roman zu schreiben, doch den meisten fehlt es an Motivation.

Als ersten Tipp gilt es Personen und Orte zu verwenden, welche dir geläufig sind. Nur so kannst du diese gut und bildhaft beschreiben und hast ein konsistentes Bild von ihnen. Denke dabei zum Beispiel auch an Freunde, Kollegen und Familienmitglieder. Bei den Orten kannst du Städte in der Nähe verwenden oder etwa Urlaubsorte, an welchen du bereits warst. Versuche mit Fotos zu arbeiten, sodass du dem Leser das Foto beschreibst. Einige Ideen kommen auch zwischendurch, etwa an einem See, in einem Café, einem Museum oder sonstigen Orten. Am Besten du lässt dich inspirieren und schaust, wie du Orte und Personen einbauen kannst.

Die erste Story gilt somit als dein Handlungsgerüst, welche die Hauptfiguren beinhalten und dir in der Planung und Organisation der endgültigen Story helfen.

Adjektive sind King

Wenn wir mit einem Buch mitfühlen, dann nur deshalb, weil die Handlung möglichst genau dargestellt wurde. Wir benötigen einen ausreichenden Input, damit unser Gehirn die Szene darstellen kann. Dafür sind aber ganz viele Eigenschaften notwendig. Diese – früher in der Schule als „Wie“ Fragen bezeichnet – Eigenschaften geben das Gefühl dabei zu sein. Wir wollen nicht nur wissen, an welchen Ort sich die Handlung ereignet, sondern auch die Sinneseindrücke erleben. Eigenschaftswörter geben hier einen mächtigen Input, angefangen von Schmecken, Riechen, Fühlen und – ganz wichtig – dem Sehen. Wenn wir lesen, müssen wir uns die Szene vorstellen können. Aus diesem Grund muss die Szenerie ausführlich beschrieben werden – am Besten mit einem Bild vor eigenen Augen.

Personen sind King

Charaktere zählen sicher zu den wichtigsten Eigenschaften eines guten Krimi Romans. Sie können zentral sein – vor allem wenn sie Emotionen in einem wecken. Dabei gilt es einen gewissen Grad zu schaffen. Jeder Leser und jede Leserin muss sich mit einer Person identifizieren, egal ob mit dem Täter, dem Opfer oder dem Kriminalbeamten. Doch versuche nicht zu viele Hauptpersonen auf einmal in den Raum zu werfen, die meisten guten Bücher kommen mit 3 bis 5 Hauptpersonen aus.

Viele Personen identifizieren sich mit Tieren, Kinder oder Geschehnissen, welche sie selbst bereits erlebt haben. Meist wirken negative Eigenschaften und Ereignisse stärker und lassen den Leser und die Leserin besser mitfühlen. Die meisten Kriminalbeamten in Büchern sind deshalb keine berühmten Personen aus dem VIP Magazin, sondern eher einfache Leute, welche eine Sucht haben. Zu viel Alkohol, psychische Störungen oder Krankheiten. Menschen von der Straße, wie jeder andere auch.

Beachte allerdings, dass du gewisse Personen übertrieben und nach Vorbild darstellen musst. Politiker sollten nie als perfekt dargestellt werden, da es jene einfach auf der Welt nicht gibt. Die Leute erwarten sich von dieser Person, dass sie von oben herab andere betrachtet. In Dinge verwickelt ist, im Anzug durch die Gegen streift und versucht alles zu blockieren. Genauso wirst du auch Päpste nicht tanzend auf Pool Partys schicken. Die Erwartungshaltung muss mit gewissen Personengruppen einfach übereinstimmen und darf nicht komplett von der Realität abweichen – ansonsten hättest du einfach zu viel Erklärungsbedarf.

Versuche auch mit den Namen bereits gewisse Motive oder Erklärungen dem Leser und der Leserin mitzuliefern, etwa über Ethnie oder Geschlecht. Die Namen sollten prägnant sein und zur Person passen und sich auch leicht unterscheiden. Einen König Ludwig oder Papst Johannes merkt man sich leichter als etwa König Amir oder Papst Gernot. Perfekt wären ein Lebenslauf mit erweiterter Personenbeschreibung, also Herkunft, Alter, Haarfarbe, Beruf, Schwächen und Familie. Alles Bestandteile, welche sich über eine Romanreihe nicht ändern sollten und nach und nach dem Leser weitere Details eröffnen.

Beachte, dass du Personen nie aus ihrer Rollen fallen lassen solltest. Dies ist oftmals das schwerste für viele Schriftsteller aber auch Drehbuchautoren. Heute so, morgen so. Der Leser ist dabei nur mit einem Fragezeichen auf den Kopf und fragt sich „warum“ und Erklärungen sind entweder langwierig und langweilig und ergeben meist keinen Sinn. Aus diesem Grund, müssen die Personen die Geschichte lenken und nicht umgekehrt. Verhaltensänderungen ergeben sich ganz selten und sind den meisten Leser und Leserinnen komplett unbekannt. Aus diesem Grund sollte dieses Element kein Bestandteil der Geschichte sein.

Orte sind King

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, ist es wichtig, dass die Orte authentisch sind. Dies bedeutet, du musst den Ort kennen oder zumindest bildlich vor die haben. Die Straßen, die Aufteilung der Zimmer in den Häusern, die Landschaft. Du benötigst eine gewisse Vorstellungskraft oder zumindest ein paar Fotos. Wenn du unterwegs bist, versuche viele Orte zu fotografieren und anschließend das Foto einfach textlich zu beschreiben. Dir wird auffallen, wie intensiv du hier Verbesserungen vornehmen kannst. Als kleines Beispiel: „Durch die großen Glasfassaden auf dem erst kürzlich gebauten Wolkenkratzer blendete ihm die Sonne an diesem heißen Sommertag.“ Der Satz ist nicht wirklich lang, aber er gibt dir eine menge von Informationen, mit welchen du spielen kannst.

Merke dir, dass je konkreter dein Ort sich für den Leser darstellt, desto packender wird er diesen finden. Finde allerdings immer einen Mittelweg. Wenn du auf 30 Seiten nur den Ort beschreibst, wird sich der Leser langweilen. Er muss immer die Möglichkeit haben, den Ort mit seinen eigenen Anreizen zu vervollständigen. Gib dem Leser immer einen zentralen Ort und beschreibe dazu noch ein Detail genauer. Den Rest, darf sich der Leser denken. Oder du füllst die Beschreibung schrittweise.

Er betrat den bereits in die Jahre gekommenen Bahnhof, welcher aus lediglich vier Gleisen bestand. Bevor er auf Bahnsteig 3 schritt, kam er an einem kleinen Kiosk vorbei. Der ältere Besitzer preiste die neuen Tageszeitungen an, während ein kleines Mädchen davor mit den Tauben spielte, welche die letzten Brösel aufpickten.

Kurze Ortbeschreibung mit einem kleinen Detail, der Rest bleibt der Fantasie offen

Er versuchte sich durch die Menschenmasse einen Weg zum Zug zu bahnen.

Schrittweise Ergänzung – der Bahnhof ist voller Menschen

Viele Schriftsteller nutzten für ihre Romane entweder Urlaubsreisen, Haupt- oder Nebenwohnsitze oder Orte, an welchen sie aufgewachsen sind. Außerdem kannst du mit der Kombination auch neue Orte schaffen. Kombiniere etwa deinen Heimatort mit einem Meer oder mache daraus ein Bergdorf. So hast du immer noch eine Struktur ohne spezielle Verbindung.

Struktur ist King

Auch die Struktur der Erzählung – der sogenannte rote Faden – ist wichtig. An welcher Stelle soll Spannung aufgebaut werden? An welcher Stelle möchte ich die Leser und Leserinnen in die Irre führen? Wie lange sollen Kapitel sein und wie werden Sprünge hinsichtlich Zeit und Personen dargestellt.

Wichtig ist natürlich auch ein gewisses Grundwissen über Technik, Orte, Landschaften und Geschichte. Dies kannst du nach und nach einbauen, womit du Kompetenz vermittelst. Dem Leser beeindruckt es ab und an und es ergibt auch ein zeitliches Gefühl. Ein Haus aus dem Jahr 1840 ist vermutlich bereits eine ziemliche Ruine. Der Leser und die Leserin wird sich dies auch dann bildlich so vorstellen. Versuche also deine Hobbys, deine persönlichen Interessen oder deine Ausbildung mit in den Roman einzufließen. Weitere Recherchen sind dabei ebenso unerlässlich und geben der Story noch den eigenen „Touch“. Versuche allerdings nicht von Krimi zu einem Sachbuch abzuwandern, in welchen du detaillierte Ergebnisse lieferst. Leser wollen unterhalten werden und kein Fachbuch zu einem bestimmten Thema lesen.

Versuche auch die Spannung im Krimi zu halten. Dies bedeutet, dass du nicht zu früh zu viel verraten solltest. Andererseits brauchst du immer wieder „Brotkrümmel“ um deine Leser bei Laune zu halten. Dies können natürlich auch falsche Fährten sein. Wichtig ist dabei der Beginn – er muss Personen und Handlungen beinhalten, welche so eindeutig sein sollen, dass das Buch gekauft und gelesen wird. Personenbeschreibungen oder komplexe Handlungen sollten deshalb auf den ersten Seiten vermieden werde. Versuche dem Leser einen Überblick über das Buch zu geben, ohne auf genaue Details einzugehen. Das Ziel ist, dass nach 3 gelesenen Seiten im Gehirn des Lesers oder Leserin ganz viele Fragen schwirren, welche beantwortet werden wollen. Und genau dies führt dazu, dass ein Krimi gelesen wird und Spannend bleibt.

Beispiele von Personen und Handlungen

In diesem Kapitel möchte ich dir ein Beispiel geben, um die oberen Handlungsempfehlungen zu verdeutlichen. Es ist eine Möglichkeit, damit du besser verstehst, worauf es ankommt. Eine Möglichkeit von vielen. Den Beispielsatz möchte ich einfach halten und anschließend erweitern:

Robert trinkt seinen Kaffee.

Beispielsatz

Im ersten Moment wirkt dieser Satz kurz und prägnant, wie eine Anweisung oder Antwort auf eine Frage. Doch für den Leser würden sich aus diesem Satz viele Fragen ergeben. Einige habe ich gleich zusammengefasst. Eventuell hast du dir die gleichen Fragen gestellt?

  • Wer ist Robert?
  • Warum trinkt Robert Kaffee?
  • Wo trinkt Robert seinen Kaffee?
  • Welchen Kaffee trinkt Robert?
  • Schmeckt der Kaffee?
  • Mit Milch und Zucker oder pur?
  • Wie riecht der Kaffee?
  • Was hat Robert davor gemacht?
  • Was hat Robert danach vor?
  • Wie ist Robert angezogen?
  • Wie ist das Wetter?
  • In welcher Umgebung befindet sich Robert?
  • Weshalb trinkt Robert Kaffee?

Dies sind nur einige Fragen, welche einem sofort durch den Kopf schwirren können. Nur durch die Fragen, wird dein Gehirn bereits versuchen, ein erstes Bild von Robert und dem Kaffee zu erstellen. Einige werden sich einen Jungen vorstellen, welcher daheim am Küchentisch einen Kaffee trinkt. Andere wiederum einen älteren Mann mit Zeitung in einem Kaffeehaus sitzend. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt, aber beachte ein zentrales Merkmal: Dein Gehirn hat erst zu arbeiten begonnen, als du dir die Fragen durchgelesen hast – nicht davor. Diese Aussage ist entscheidend, weil damit der Satz „Robert trinkt seinen Kaffee“ keine Emotion in unserem Gehirn auslöst und deshalb schlicht zu wenig ist.

Anmerken möchte ich hier auch noch, dass du nicht nach jedem Satz gleich ein paar Fragesätze in den Roman dem Leser oder der Leserin stellen sollst. Wichtig ist hier, eine Beschreibung zu verfassen, sodass sich jeder etwas vorstellen kann und anschließend noch mit seinen Erinnerungen, Gefühlen und Wünschen kombinieren kann. Doch ab und zu wirst du auch ein paar Fragesätze in Krimis bemerken, etwa „Werde ich es rechtzeitig zum Zug schaffen?“. Mit nur dieser einen Suggestivfrage rattert dein Gehirn bestimmt und du stellst dir eine Person vor, welche an einem Bahnhof zum Zug rennt.

Zusammenfassung für gute Krimis

In diesem Beitrag habe ich dir viele generelle Tipps für das Schreiben eines guten Krimis geliefert. Vergiss nicht, dass Schreiben das Wichtigste ist. Jeder geschriebene Satz ist ein Anfang und ein Beginn und besser als eine Idee im Kopf. Ein letzter Tipp am Ende: Andere Bücher lesen. Denn viele Ideen kannst du dir auch von anderen Autoren und Autorinnen holen.

Related Posts

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.